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Diagnose und Therapie von Mundgeruch
Den Kontaktkiller am richtigen Ort bekämpfen
Mundgeruch macht uns alle zu Betroffenen: Die einen
riechen aus dem Mund, die anderen müssen es ertragen. Viele Menschen glauben, die Ursache
des Problems liege im Verdauungstrakt. Besonders unter Naturheilkundlern
ist diese Auffassung weit verbreitet. Auch Dr. Wolfgang Koch, Zahnarzt und
Gesundheitsmediziner, war früher davon überzeugt. Forschungen
und die eigene praktische Tätigkeit haben ihn eines Besseren belehrt.
Mundgeruch (Halitose) ist ein weit verbreitetes
Problem. Fast jeder zweite Erwachsene leidet in unterschiedlich starker
Ausprägung daran. Das
Vertrackte an diesem „Kontaktkiller“ ist, dass man ihn oft bei
sich selbst nicht bemerkt. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie schlechten
Atem haben, denn nur in den seltensten Fällen werden sie von Mitmenschen
darauf aufmerksam gemacht. Die Mundhöhle gehört zum Intimbereich.
Anerzogene Höflichkeit oder falsche Scham verhindern häufig ein
Ansprechen dieses peinlichen Themas.
Immer noch glauben viele Menschen,
dass Mundgeruch im Magen entsteht. Dies kann zwar im Einzelfall
durchaus so sein. Doch neuere Erkenntnisse zeigen, dass in mehr als 85 Prozent
der Fälle zumindest die unmittelbare Ursache im Mund- und Rachenraum
zu suchen ist.
Schwefelverbindungen erzeugen den Geruch
Im Mund und Rachen leben über
300 verschiedene Bakterienarten. Rund 80 davon sind für die unangenehme
Geruchsausbildung verantwortlich. Es handelt sich hauptsächlich um
die Bakterien, die Eiweiße zersetzen. Eiweiße sind sowohl im
Speichel als auch in der Nahrung enthalten, so dass sie in
der Rachen-Mundhöhle
ständig vorkommen.
Bei ihrer Zersetzung durch Bakterien werden Schwefelverbindungen
freigesetzt, die dem Atem die unangenehme Note geben.
Man
kann den Geruch als „faulig“ oder „verbraucht“ bezeichnen.
Unterschiedliche Geruchsnoten können durch Konsum von geruchsbildenden
Nahrungsmitteln entstehen, die sich mit den Schwefelverbindungen mischen,
zum Beispiel Knoblauch oder Zwiebel.
Die Zersetzung ist an sich ein ganz normaler Vorgang, der
nicht zwingend zu Mundgeruch führen muss, denn die geruchsbildenden
Bakterien sind in jeder Mundhöhle vorhanden. Entscheidens dafür,
ob der unangenehme Geruch entsteht oder nicht, ist allein
deren Menge. Solange
ein bakterielles Gleichgewicht im Mund-Rachenraum besteht,
kommt es nicht zur Geruchsbildung. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt
und damit nicht in der Lage, entsprechende Abwehrmechanismen in Gang zu
setzen, erhöht
sich die Anzahl der geruchsbildenden Bakterien sehr schnell.
Warum sich
diese Bakterien bei manchen Menschen leichter vermehren als bei anderen – trotz
gleichguter Zahn- und Mundraumpflege-, ist noch weitgehend ungeklärt.
Vermutlich spielen dabei ganzheitlich zu betrachtende Zusammenhänge
ein Rolle (Konstitution, Disposition, Lebensstil), so dass der Mundgeruch
letztlich nicht nur im Mund- und Rachenraum verursacht wird. Auch Infektionen
der Atemwege oder Mandelentzündungen können die bakterielle Besiedlung
im Mundraum „verschieben“, so dass geruchsbildende Bakterien überhand
nehmen.
Man sollte jedenfalls bei der Bekämpfung des Problems nicht
länger alle möglichen Maßnahmen, zum Beispiel zur besseren
Ernährung und Verdauung empfehlen und den Mundraum und seine Behandlung
für nebensächlich halten.
Manchmal ist die Einbildung das größte
Problem
Bakterien sind
in der Lage, sich zu „verstecken“ und können sich daher
den hygienischen Maßnahmen teilweise entziehen. Ein sehr beliebter
Nistplatz ist der Zungengrund, also der Teil des Organs, der tief in den
Rachen hineinragt. In den tiefen Furchen lagern sich Bakterien ab, die unangenehme
Gerüche produzieren, wenn sie nicht regelmäßig entfernt
werden. Für eine der häufigsten Ursachen für Mundgeruch liegt
damit im Rachenraum. Aber auch Zahnzwischenräume, Zahnersatz wie Kronen
oder Brücken oder Hohlräume in kariösen Zähnen und Zahnfleischtaschen
sind beliebte Bakterienverstecke.
Schon der bloße Glaube, an Mundgeruch
zu leiden, kann persönliche Probleme bereiten und das Selbstbewusstsein
erheblich einschränken. Viele Menschen sind fest davon überzeugt,
an schlechtem Atem zu leiden, ohne dass dies tatsächlich der Fall ist.
Medizinisch spricht man hier von einer Halitophobie – also einer mehr
oder weniger krankhaften Mundgeruchstangst.
In die eigenen Hände hauchen ist keine effektive
Kontrolle
Einen ersten
Hinweis, ob Mundgeruch tatsächlich vorhanden ist oder nicht, können
verschiedene Methoden geben, die jederzeit relativ leicht anzuwenden sind.
Die einfachsten – leider aber auch wenig zuverlässigen – Wege
zur Selbsteinschätzung sind das Hauchen in die eigenen Hände,
das Anlecken der Handoberseite und anschließende Riechen daran oder
das Riechen an benutzter Zahnseide. Wer wirkliche Sicherheit sucht, kommt
damit allerdings nicht viel weiter.
Schon hilfreicher ist ein kleines elektronisches
Taschenmessgerät, das seit einigen Monaten auf dem Markt ist. Es misst
den Anteil der flüchtigen Schwefelverbindungen und Kohlenwasserstoffe
und zeigt in Sekundenschnelle an, ob und in welcher Stärke Mundgeruch
vorhanden ist. Ein solcher „Mundgeruchdetektor“ kostet etwa
40 Euro.
Ebenfalls erhältlich sind Mundgeruchs-Selbsttests (Einmaltests).
Mittels Zungenabstrich ermittelt der Farbtest den Bakterienanteil
auf der Zunge und zeigt die Stärke des Mundgeruchs an: Je schneller
die Farbveränderung
eintritt, desto höher ist die Zahl jener Bakterien auf der Zunge, die
Mundgeruch verursachen.
Als erster Schritt oder zur schnellen Anwendung
zwischendurch sind die genannten Verfahren sicherlich geeignet.
Mehr aber auch nicht. Die Frage nach dem Entstehungsort und damit den Ursachen
für
den Geruch bleibt unbeantwortet. Gerade dies ist jedoch entscheidend,
wenn es um eine effektive und auf Dauer erfolgreiche Therapie geht. Hier
ist professionelle Diagnostik gefragt.
Während es in den USA, in England
und in Skandinavien bereits auf Mundgeruch spezialisierte Zahnärzte
und Kliniken gibt, ist Deutschland in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland.
Nur einige wenige Praxen und Kliniken widmen sich hier bisher der Diagnostik
und Therapie der Halitose und bieten zum Beispiel spezielle Mundgeruchssprechstunden
an.
Der Halimeter zeigt, wieviel Gas vorhanden ist
In den USA wurde ein Testgerät
für den professionellen Einsatz entwickelt. Dieses Halimeter (Halitus
= Hauch) liefert nicht nur sichere und verlässliche Ergebnisse im Hinblick
auf die Stärke des Mundgeruchs.
Mit Hilfe des Gerätes ist der
Zahnarzt auch in der Lage festzustellen, wo die Gase ihren
Ursprung haben, ob sie also zum Beispiel aus der Nase, der Lunge oder vom
Zungengrund herrühren.
Während der Ausatmung wird die Lungen-, Rachen- und Mundraumluft aufgezeichnet
und analysiert. Ausgewiesen wird ein Messwert, der genau
aufzeigt, wie stark die Konzentration der Schwefelverbindungen in der Luft
ist, in welcher Stärke
also Mundgeruch vorhanden ist.
Ergibt sich aufgrund der Halimetermessung
ein bedenklicher Wert, ist also Mundgeruch vorhanden, der über ein
normales Maß hinausgeht, gilt es, der Ursache dafür auf den Grund
zu gehen.
Therapiemodule werden individuell kombiniert
Es wird ein Abstrich vom Zungengrund
genommen und ein in einem Labor für Mikrobiologie gezielt bakteriologisch
untersucht. Speichel- und Zahnfleischuntersuchungen gehören ebenso
zur Diagnostik wie eine ausführliche Anamnese. Dabei werden nicht nur
die medizinische Vorgeschichte und medikamentöse Behandlungen abgefragt,
sondern auch die Lebensgewohnheiten des Patienten (unter anderem Ernährungsverhalten,
Stress, Rauchen).
Erst die Kenntnis dieser Gesamtzusammenhänge ermöglicht
es, ein für den einzelnen Patienten individuelles Therapiekonzept zu
erarbeiten, durch das nicht nur die Symptome, sondern vor allem auch die
Ursachen des Mundgeruchs wirksam behandelt werden.
Welche Therapiemodule
zum Einsatz kommen, hängt immer vom
Einzelfall ab. Einen zentralen Stellenwert hat die Behandlung mit antibakteriell
wirkenden Heilmitteln, die speziell gegen die im Test ermittelten Bakterien
wirken. Das können chemische Mittel sein (mit den Wirkstoffen Amoxicillin
oder Metronizadol) oder auch biologische (zum Beispiel Mucosa compositium® oder
Notakehl®). Mehr
Milch oder Fisch können das Problem verschärfen
Je nach Einzelfall
sind auch immunsteigernde Maßnahmen, Entsäuerungstherapien oder
eine Ernährungsumstellung Teil der Therapie. Manche Nahrungsmittel
führen dazu, dass die geruchsbildenden Bakterien gute Lebensbedingungen
finden und sich explosionsartig vermehren. Dazu gehören zum Beispiel
eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Milch oder Fisch. Nach dem Genuss
solcher Nahrung sollte der Rachen- und Mundraum besonders gründlich
gereinigt werden.
Sofern die Untersuchung von Zähnen und Zahnfleisch
die Notwendigkeit einer zahnärztlichen Therapie erkennen lässt,
wird diese ebenfalls in das Behandlungskonzept integriert.
Um den Erfolg der Maßnahmen zu kontrollieren, werden in regelmäßigen
Abständen erneute Halimeter-Messungen durchgeführt. Ein deutlich
gesunkener Messwert ist ein sicheres Indiz für eine erfolgreiche Behandlung.
Stellt sich durch die zahnärztliche Therapie der gewünschte Erfolg
nicht ein, muss daraus geschlossen werden, dass die Ursache
des Mundgeruchs nicht in der Rachen-Mundhöhle selbst, sondern in Störungen
des Stoffwechsels, Erkrankungen des Verdauungstraktes oder
der inneren Organe begründet liegt.
Durchschnittlich kommt dies bei gut jedem achtem Patienten
vor. In solchen Fällen sollte der Zahnarzt Kollegen anderer Fachbereiche
wie Internisten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, aber auch naturheilkundlich
tätige Therapeuten zu Rate ziehen. |
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